London Tag 1 und 2

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Ich bin SO froh, dass eben unser Vermieter James geklopft und sich vorgestellt hat (und uns die Heizung angestellt hat)! Während wir seine Wohnung nutzen, wohnt er bei seiner Freundin in der Wohnung gegenüber. Sie sind gerade aus dem Osterurlaub zurückgekehrt. Jetzt fühle ich mich viel wohler, denn erstens weiß ich, wir sind nicht ganz allein in diesem Haus in diesem abgelegenen Wohnviertel wie gestern Nacht (in der draußen ein Sturm tobte, Mülltonnen und Blumentöpfe durch die Luft flogen und dauernd Polizeisirenen zu hören waren), und ich weiß, er ist nicht der komische Kauz, als den ich ihn mir wegen der Sachen in seiner Wohnung vorgestellt habe, sondern ein junger, netter, sportlicher Typ.

Wir hatten nämlich einen etwas unsanften Start in London gestern. Zwar verliefen der Flug und das Finden der Wohnung problemlos, aber irgendwie war die Stadt wie ausgestorben (weil alle im Osterurlaub sind?). Unsere Wohnung war mir nicht ganz geheuer, weil eben so einsam, etwas schmuddelig, die Sachen darin erinnerten eher an einen alten Professor mit einer Vorliebe für Erotikfilme und abgelatschte Schuhe, wir froren, weil die Heizung nicht ging, dann der wirklich heftige Sturm, der dafür sorgte, dass ich die zweite Nacht hintereinander nicht schlafen konnte… Nachmittags waren wir zum Hampstead Heath gefahren, Londons größtem Park, eher wie der Grunewald als wie ein Park. Dort sollte es eine Osterkirmes geben. Nach längerem Suchen haben wir sie gefunden, da waren unsere Schuhe schon von einer zentimeterdicken Schlammschicht umhüllt und wir zweimal komplett nassgeregnet. Zwischendurch kam aber immer wieder ziemlich warm die Sonne raus und hat uns getrocknet. Auf der Kirmes wussten die Jungs dann nicht, was sie machen sollten und konnten sich für kein Fahrgeschäft begeistern, obwohl es durchaus eine größere Kirmes war (aber kaum Besucher). Also sind wir noch weiter durch den Schlamm gestapft bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man wirklich einen tollen Blick auf die Skyline des Financial District hatte. Doch kaum hatten die Jungs ihren Ball ein paarmal hin und her geschossen, kam der nächste Schauer. Also zurück zur U-Bahn. Zurück an unserer Station haben wir einen ersten Erkundungsgang über die Straßenmärkte in Camden Town gemacht und auch schon ein Shirt und ein paar Armbänder gekauft. Die Jungs fanden es durchaus aufregend, besonders Nick, aber waren aufgrund der Reizüberflutung in diesem Markt-Labyrinth dann auch bald unleidlich.

Heute waren wir in der Harry Potter-Ausstellung etwas außerhalb von London. Der Weg dorthin war leicht zu finden, um 9 sind wir los, um 10.40 waren wir da, incl. Fußweg, U-Bahn, Regionalbahn und Bus. Dank Ingas Beschreibung waren wir ja auch auf alle Eventualitäten vorbereitet. Obwohl unsere Tickets für 12 Uhr ausgestellt waren, durften wir uns gleich anstellen. Also sie machen ein Riesenbrimborium aus der Sache, und das müssen sie wohl auch, damit es zum Event wird. Ohne das, denke ich, würde man sagen: Naja, ganz nett, aber dafür 30 Pfund pro Person? Schon im Bus gibt es einen vorbereitenden Film mit dramatischer Musik. In der Halle muss man anstehen, dann wird man mit 100 Leuten in einen kleinen Raum gelassen. Da gibt es einen Animateur, der ein paar witzige Sprüche macht, und noch einen Film, noch dramatischer. Dann wird man in einen Kinosaal gelassen. Wieder ein Animateur, wieder witzige Sprüche, wieder ein Film, noch dramatischer. Dann rollt sich die Leinwand, auf der eben noch der Film gezeigt wurde, hoch und dahinter erscheint die Tür zum großen Saal aus den Potter-Filmen. Ein Geburtstagskind aus der Gruppe darf die Tür öffnen. Und obwohl ich absolut kein Potter-Fan bin und nur den allerersten Film gesehen habe, war ich ob der ganzen Dramatik (und des Reisefiebers) den Tränen nahe! Durch den großen Saal wird man ziemlich durchgescheucht, weil im 10min.-Takt die nächsten Gruppen einfallen. Das fand ich schade, denn der Saal war einer der besten Momente. Dann ist man in einer großen Fabrikhalle und kann sich verschiedene Sets aus den Filmen ansehen. Das ist zweifelsohne alles sehr detailverliebt und schön gemacht und auch für die Kinder haben sie sich ein bisschen was ausgedacht: An verschiedenen Stationen kann man sich solche Prägestempel in einen Ausweis stempeln, in jedem Set sind diese goldenen Quiddich-Bälle versteckt, die man suchen soll, es gibt einen Zauberstab-Schwing-Kurs etc. Aber die Kinder stehen natürlich nicht wie Inga vor jedem Set und bestaunen stundenlang die Kunst der Bühnenbildner. Nick wollte einfach nur von jedem Set ein Foto machen und dann weiter. Luke hatte ich den Audio-Guide umgehängt, und das war eine gute Idee, denn so hörte er sich vor jedem Ausstellungsstück an, was der Audio-Guide dazu erklärte und erzählte es uns dann wortreich weiter. Nur dadurch verbrachten wir eine längere Zeit, nämlich ca. 2 Stunden in der Halle. Irgendwann wurde mir das aber zu anstrengend – Lukes Erklärungen, auch die Dunkelheit in der Halle, die immer mehr werdenden Menschen. Man hatte zwar immer noch genug Platz, um sich zu bewegen, aber es war laut, wuselig, schlechte Luft, man musste auf die Kinder und seine sieben Sachen aufpassen. Also brachen wir dann den Audio-Guide ab und stellten uns noch bei einer Green-Screen-Attraktion an, wo man Bilder machen konnte, auf denen man auf dem Besen reitet oder im Auto dem Hogwarts Express hinterher fliegt. Ein solches Bild für 14 Pfund haben wir gemacht, aber ich fand, man wurde viel zu schnell dadurch gescheucht, weil so viele Leute anstanden. Das war schade. Da hätte man gerne noch ein paar Minuten länger diesen Spaß vor dem Green Screen mitgemacht. Dann noch schnell durch den Hogwarts Express, einen alten Eisenbahnzug, und für Inga einen Chocolate Frog in einem Andenkenladen gekauft. Dann endlich in die Cafeteria. Ich brauchte dringend eine Pause! Doch die konnte man in der Cafeteria nicht wirklich genießen. Die Essensauswahl war klein, man bekam nur ein paar Sekunden Zeit, um sich was auszusuchen, und alles mit Menschen überfüllt. Also auch dort wollte man nicht länger verweilen als es dauerte, einen Hamburger zu verschlingen. Dann gab es einen kurzen Ausstellungsteil im Freien, danach noch die beiden Höhepunkte der Ausstellung wieder drinnen: die Winkelgasse und das Gesamtmodell des Schlosses Hogwarts. Und diese beiden Teile haben mir am besten gefallen. Gerade in der Winkelgasse hatte man wirklich das Gefühl, mitten im Film zu stehen, und für jedes einzelne Schaufenster hatten sie sich wahnsinnig Mühe gegeben. Letztendlich sagen die Jungs, es hat ihnen sehr gefallen, obwohl ich vor Ort nicht erkennen konnte, dass sie wirklich von etwas gefesselt waren. Nicht mal im Andenkenladen hat ihnen etwas gefallen (ich habe mir ein T-Shirt gekauft). Nick hat wie gesagt nur Fotos gesammelt und Luke hat die ganze Zeit am Audio-Guide herumgefummelt. Aber es hat ihn beeindruckt, dass die Dreharbeiten für die acht Filme zehn Jahre gedauert haben, und er hat viel darüber spekuliert, wie das wohl für die Kinder war, zehn Jahre lang in der Nähe der Produktionshallen zu leben, dort auf eine eigene Schule für die Filmkinder zu gehen, nachmittags bei den Dreharbeiten zu sein und sich nach zehn Jahren zu trennen. Und jetzt unterhalten sie sich über die Ausstellung – also irgendwas muss hängengeblieben sein.

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