Paris, 5. Tag

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Heute haben wir wirklich ein Hardcore-Touristenprogramm hingelegt. Ich kann keinem empfehlen, nur nach Paris zu fahren, um die typischen Touristenstationen abzuklappern, da wird man wirklich verrückt bei den ganzen Menschen und Warteschlagen. Wir haben mit einigen verzweifelten Deutschen ein paar Worte gewechselt. Man sollte auf jeden Fall ein paar abgelegenere, echtere Orte wie das Bassin de la Villette oder den Parc des Buttes-Chaumont oder einen Kaffee in einer Brasserie einplanen (Wikipedia: „Brasserie ist ein französischer Begriff für eine bestimmte Art Gaststätte. Sie ist weniger formell und einfacher ausgestattet als ein Restaurant, verfügt jedoch im Gegensatz zu einem Bistro, Bar-Tabac oder Café über eine größere Auswahl an warmen Speisen. Das Wort Brasserie bedeutet eigentlich Brauerei“).

Es stellt sich als sehr schön heraus, dass wir eine Wohnung weit außerhalb dieses Zirkusses haben und immer wieder schön in unseren zwar trotzdem lebendigen, aber vergleichsweise normalen Kiez „heimkehren“ können. Es ist zwar nach wie vor gewöhnungsbedürftig, wie nah die Menschen hier aufeinander hocken (das wird wohl in den luxuriöseren Altbauten nicht so sein) – hinter jeder Wand sitzt einer, links hustet es, rechts geigt es, obendrüber schreien Kinder und im Flur trampelt einer die Treppen rauf, und bei allen denkt man, die stehen gleich direkt in unserer winzigen Bude – aber wir wollten ja das Pariser Leben kennenlernen, und das ist nun ein Teil davon. Und die Waschmaschine ist Gold wert, es läuft gerade die dritte Ladung – wer konnte ahnen, dass sich Luke gleich am ersten Tag zwei Stunden nach der Landung in eine Schlammpfütze legen würde und ähnliche Abenteuer mehr?

Also, heute Morgen (muss ich es noch sagen: Tischtennisplatten besetzt) ein zweiter Versuch am Eiffelturm. Tatsächlich war die Schlange wesentlich kürzer als am Ostersonntag, und innerhalb von 20min. waren wir durch die Kassen und Sicherheitskontrollen. Luke musste seinen Fußball an der Kontrolle lassen (konnte ihn aber hinterher glücklich wieder in Empfang nehmen). Und was soll ich sagen, wir schafften tatsächlich die 704 Treppen bis in den 2. Stock! Hätte ich vorher nicht gedacht! Doch auf der 1. Etage (nach 350 Stufen) hat man keinen so guten Ausblick, in allen vier Richtungen sind gläserne Restaurants an den Rand der Plattform gebaut, in denen man sitzen und teuer essen und dabei den Ausblick genießen soll. Auf dem 2. Stock hat man dagegen einen tollen Ausblick, allerdings wackelt es auch schon ganz schön. Dadurch, dass die Treppen nicht in einem Treppenhaus sind, kommt es einem nicht so anstrengend vor, weil man sich nicht wie z.B. in einem Leuchtturm nur auf die Treppen konzentriert, sondern auf das, was man drumherum sieht und auf die langsam von oben näher rückende Plattform – allerdings wird einem genau deshalb auch ungleich schwindeliger, besonders zwischen 1. und 2. Stock. Sogar Nick gab zu, etwas Schiss gehabt zu haben und wenn einer gesagt hätte „Ach komm, drehen wir wieder um“, wäre er der erste gewesen, der mitgegangen wäre. Aber Luke quatschte uns voll, bis wir oben angekommen waren. Die Jungs haben durchaus Interesse und Ehrgeiz, so etwas zu schaffen und zu sehen, wie es am Ziel aussieht, aber sobald sie das gesehen haben, wollen sie wieder runter, dann ist das ja „erledigt“. Wir schossen also ein paar Fotos, machten nochmal auf der 1. Etage Zwischenstopp in einem Kino, in dem ein fünfminütiger Film mit einigen tollen Bildern vom Bau des Eiffelturms liefen (hätten ruhig noch mehr sein können) und kletterten dann ganz runter. Und dachten unten: Unglaublich, dass wir da oben gewesen sind!

Auf Lukes Wunsch und damit er nicht rummeckert, gingen wir über einen Frühlingsmarkt (noch mehr Andenken gekauft und Crepes gegessen) wieder am Seine-Ufer entlang zu diesem Ballspiel, das ihnen am Sonntag so gut gefallen hatte, doch heute machte es ihnen seltsamerweise nicht mehr so viel Spaß. Nach kurzer Zeit brachen wir auf über die Pont Alexandre III, auf der man noch tolle Fotos schießen kann, Richtung Champs Elysées. Links runter entdeckten wir den Arc de Triomphe, den wir dann aber auch links liegen ließen, weil uns die Füße schon arg schmerzten und Nick unbedingt noch die Mona Lisa sehen wollte. Nach einem Gewaltmarsch die Elysées runter fanden wir sogar den im Internet angepriesenen Geheimeingang des Louvre im Keller des Einkaufszentrums Caroussell de Louvre. Auch dort standen wir nur 10min. für unsere Tickets an und ließen uns den schnellsten Weg zur Mona Lisa erklären. Eigentlich muss man nur den richtigen Aufgang wählen (Denton), in den Aufzug steigen, in den 1. Stock fahren, rechts rum gehen und da ist sie. Aber wir verliefen uns natürlich bzw. liefen einen unnötigen Riesen-Kreis, weil dort auch Pfeile Richtung Mona Lisa wiesen. Stimmte ja auch, man konnte sie auch andersrum erreichen, aber rechts rum wäre eben wesentlich schneller gewesen. Bei all dem Gemotze der letzten Tage hätten die Jungs heute wirklich mal Grund gehabt zu motzen, das war wirklich etwas viel Programm, aber komischerweise klappte es unterwegs viel besser und sie liefen die weiten Strecken im strammen Marschtempo ohne Probleme mit (hier in der Wohnung ist dagegen wieder Streit wie immer angesagt).

Luke hatte sogar noch ein Auge für die anderen Kunstwerke, riesengroße Ölgemälde von Jesus, u.a. und stellte staunende Fragen, aber ich war wirklich auch so geschafft, dass ich nur noch Nick zu seiner Mona Lisa bringen und dann nach Hause wollte. Eigentlich schade, Lukes Interesse hätte es auch verdient gehabt, dass man ihm angemessen begegnet wäre, aber es war auch im Louvre tierisch voll und überhitzt, die Menschenmassen schoben sich dadurch, man konnte sich nirgends ruhig hinstellen und ein Bild bestaunen und außerdem kenne ich mich ja mit Kunst auch nicht aus (und googelte nur später für ihn die Geschichte des Diebstahls der Mona Lisa). So fanden wir also schlussendlich die Mona-Lisa, warfen einen Blick darauf und machten ein Foto, und dann war Nicks Neugier schon wieder befriedigt. Kurz vor dem Erschöpfungskollaps wollten wir uns nur kurz Cola/Wasser und Salami-Baguettes im Museums-Café kaufen, gerieten aber an eine dermaßen dusselige Verkäuferin, dass wir auch darauf nochmal ewig warten mussten. Und dann mussten wir heute auch noch eine Lektion lernen, die uns 6 Euro gekostet hat: Manchmal braucht man die U-Bahn-Tickets nicht nur beim Eintreten in die Bahnhöfe (die muss man in so einen Schlitz stecken, damit die Schranke aufgeht), sondern auch beim Verlassen. Leider hatten wir unsere Tickets wie immer sofort nach der Fahrt weggeworfen, damit wir die entwerteten nicht mit den noch unentwerteten durcheinanderbringen (manchmal erkennt man es nämlich nicht, ob sie entwertet sind) und mussten zum Verlassen des Bahnhofs neue Tickets benutzen, die dann beim Antritt der nächsten Fahrt auch schon wieder ungültig waren. Sprich: 6 Euro gezahlt für DAS VERLASSEN eines U-Bahnhofs.

Schließlich fuhren wir zurück nach Hause zur Tischtennisplatte, und hurra, sie wurde nach einigen Minuten frei, und wir spielten eine halbe Stunde, aber zu mehr waren wir alle nicht mehr fähig.

Jetzt haben wir Spaghetti Napoli gegessen und machen es uns in der Wohnung gemütlich, bis wir nachher um 21 Uhr wieder das Licht-Schauspiel am Eiffelturm anschauen werden, diesmal gleich von dem Aussichtspunkt aus, den wir gestern Abend entdeckt hatten. Für morgen haben wir einen wesentlich entspannteren Plan…

P.S. Heute strahlende Sonne, 20 Grad!

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