Paris, 4. Tag

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Heute war der bisher angenehmste Tag 🙂 Zwar waren die Tischtennisplatten morgens wieder besetzt, doch wir fuhren schnurstracks zur „Cité des sciences et de l’industrie“, einem Wissenschaftsmuseum für Kinder. Waren eine Stunde vor Öffnung da, konnten aber in der Sonne in einem schönen Park an einem Kanal sitzen und die Schiffe und Jogger beobachten bzw. endlich mal auf einer flachen und nicht übervölkerten Wiese Fußball spielen.

Ich habe noch nie ein so toll und durchdacht aufgemachtes Museum gesehen. Es gehörte ein U-Boot dazu, das wir mit einem Audio-Guide zuerst durchkletterten – leider durfte man drinnen keine Fotos machen. Dann ging es in ein riesiges Gebäude, das eher nach Fabrik als nach Museum aussah. Ich hatte Tickets für zwei Ausstellungen (plus das U-Boot) im Wert von über 50 Euro vorab im Internet gekauft, da man sich für die eine Ausstellung vorab auf Tag und Zeit festlegen musste, doch wie sich herausstellte, hätte man sich einen ganzen Tag Zeit nehmen müssen, um alles sehen zu können, und wir waren schon nach 3 Stunden völlig überflutet mit Eindrücken und völlig überhitzt, weil sich die Halle durch die Sonne sehr aufheizte, sodass wir uns zum Gehen entschlossen und uns nicht mal der Andenkenladen noch lange fesseln konnte.

Die Dauerausstellung war aufgeteilt in verschiedene Bereich wie „Das Universum“, „Mathematik“, … Es gab z.B. das erste solarbetriebene Flugzeug, das 2010-2013 die Welt umrundet hat, zu bestaunen, aber hauptsächlich bestand das Museum aus Mitmachstationen, die bestimmte Phänomene erklärten. Wir schafften eigentlich nur den Bereich „Mathematik“, bevor wir in die zweite Ausstellung „mussten“, für die wir die Zeitkarten hatten. Es gab z.B. ein dreidimensionales „Vier gewinnt“, wo jeder Spieler vier Kugeln in einer Reihe in seiner Farbe zum Leuchten bringen musste. Die Gauß’sche Glockenkurve wurde anhand kleiner Kugeln erklärt, die zwar auf den ersten Blick zufällig in verschiedene Öffnungen einer Auffangstation rieselten, aber am Ende eben doch so, dass in der Mitte am meisten landeten. Anhand des sogenannten „turbulenten Springbrunnens“ wurde erklärt, dass es Phänomene gibt, die kein Computer vorhersagen kann. In diesem Fall gab es ein Rad aus lauter Trichtern, in die von oben Wasser hinein lief, und je nachdem wie voll die Trichter waren drehte sich das Rad nach links oder rechts, mal schnell, mal langsam, und diese Bewegungen kann eben anscheinend nichtmal der schlaueste Computer erklären. Und so weiter. Etwas schwierig war es, dass die Ausstellungsstücke nur in Englisch und Französisch erklärt wurden, sodass ich immer erstmal die wissenschaftlichen Anleitungen der Experimente übersetzen (und selbst verstehen) musste, bevor ich sie den Kindern erklären konnte. Es gab aber tatsächlich auch andere deutsche Gäste im Museum.

Dann ging es in die zweite Ausstellung, die „Cité des enfants 5-12 ans“, eine Ausstellungsfläche für 5-12jährige (es gab auch noch eine für jüngere). Als wir hier auf Einlass warteten, dachte ich schon: Mist, blöde Idee, wären wir lieber oben in der Dauerausstellung geblieben, weil es dort relativ leer gewesen war. Doch das System, für 1,5 Stunden immer nur eine bestimmte Anzahl an Kindern gleichzeitig reinzulassen, funktionierte perfekt – es waren genau so viele Kinder, dass es immer irgendwo eine freie Station gab, die man ausprobieren konnte. Auch hier gab es verschiedene Bereiche: Wasser – da konnte man Kugeln auf Wasserstrahlen balancieren, mit Wasserpistolen Kugeln durch einen Irrweg schießen etc., dann gab es den Bereich Natur, da gab es einen Ameisen-Bau, der mit Kamera ausgestattet war, sodass man mit der Kamera die Tiere nah heranzoomen und beobachten konnte, uvm. Dann gab es den Bereich Kommunikation, da konnte man Blindensprache lernen oder arabische Buchstaben schreiben lernen oder mit einem Computer eine kleine Pappkiste designen, die dann nach der eigenen Bauanleitung von einer Maschine aus dem Papier herausgestanzt wurde und von den Kindern durch Falttechnik vollendet werden konnte. Das Beste war der Bereich Fernsehen, den wir leider erst zum Schluss entdeckten, da gab es eine Station, wo die Kinder vor einer Green Screen auf einem fliegenden Teppich aufgenommen wurden, der dann im Fernseher über einen Ozean zu fliegen schien, sie konnten sich als Nachrichtensprecher üben und von einem Teleprompter die Nachrichten ablesen oder sie konnten ihren eigenen kleinen Film aufnehmen, während der eine vor einer Kulisse eine Handlung aufführte, und der andere ihn mit einer fahrbaren Kamera dabei filmte. Also alles in allem einfach großartig.

Danach fuhren wir ziemlich erledigt zurück in unseren Kiez und ein Wunder geschah: die Tischtennisplatten waren frei! So konnten die Jungs einmal nach Herzens Lust eine ganze Stunde spielen, bis sie selber keine Lust mehr hatten, während ich mich sonnte und las. Dann hing uns aber der Magen dermaßen auf dem Boden, dass wir nach Hause gingen, um Gulasch mit Nudeln zu kochen. Da es nach der „Mittagsruhe“ dann schon 17 Uhr war, gingen wir nicht nochmal zu einem Nachmittagsspaziergang raus, sondern erst um 21 Uhr noch einmal die paar Schritte unsere Einkaufsstraße hoch bis zum höchsten Punkt, von wo aus man den Eiffelturm sehen kann, und schauten uns das Spektakel an, wenn der Turm ab Einbruch der Dunkelheit bis ein Uhr nachts zu jeder vollen Stunde einmal 5min. lang mit 40.000 Lämpchen (glaub ich) erleuchtet wird. Ein richtig toller Anblick, völlig unerwartet, hätte ich nicht gedacht! Erst leuchtet er und dann, zur vollen Stunde, glitzert und funkelt er wie ein Weihnachtsbaum! An der Straßenecke stehend bemerkten wir, dass viele Leute, die den Turm auch fotografierten, in Richtung Parc de Belleville pilgerten, der eigentlich um diese Uhrzeit schon geschlossen hat. Wir folgten ihnen, und tatsächlich gab es einen Aussichtspunkt, von dem aus der Turm wunderbar zu sehen war, und dort oben saßen hunderte Menschen, manche mit Bier, ein Musiker baute sein gitarrenartiges Instrument mit rundem Bauch auf, anscheinend wird dort jeden Abend das Schauspiel gefeiert, und wir werden es uns bestimmt auch noch mindestens einmal ansehen!

Außerdem war heute der Tag, an dem ich zum ersten Mal ganze französische Sätze über die Lippen brachte, anstatt zum großen Missfallen der Kinder, die das superpeinlich finden, halb Englisch, halb Französisch daherzustammeln. „C’est pour le soleil?“ (Das ist für die Sonne?) beim Kauf einer Flasche Sonnenmilch in der Apotheke und „Je veu achèter un carnet avec dix billets pour les entfants“ (Ich möchte eine Zehnerkarte für Kinder kaufen“ – keine Garantie für die Rechtschreibung!). Bin sehr stolz auf mich. Zumal ich irgendwie finde, dass ich vom Typ her den französischen Frauen viel ähnlicher sehe als den deutschen – wir haben nicht zufällig französisches Blut in uns, Papa? Auch Luke entwickelt großes Interesse für die französische Sprache, merkt sich viele Wörter und spricht in der Metro die Ansagen mit. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie schnell man sich in einer neuen Stadt zurechtfindet, wenn man das Prinzip Großstadt erstmal verstanden hat – sei es in der U-Bahn, auf der Straßenkarte oder oder oder.

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