Paris, Tag 1

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Heute morgen mussten wir um 4.45 Uhr aufstehen, um um 5.15 das Taxi zum Flughafen zu nehmen. Einerseits war das gut, weil man dann (nach drei schlaflosen Nächten) keine weitere Gelegenheit mehr hatte, sich zu fürchten, andererseits ist ein Urlaubsbeginn mit übermüdeten Kindern natürlich auch nicht optimal.

Der Flug verlief sehr ruhig und ich muss sagen, meine Geräusch-schluckenden Bose-Kopfhörer sind sowas von Gold wert (haben ja auch 200 Euro gekostet). Denn wenn der Lärm der Motoren ausgeblendet wird, ist schon ein großer Angstfaktor des Fliegens gebannt. Natürlich hatte ich trotzdem noch Angst und auch Luke war sehr angespannt und hat es mit Motzigkeit zu übertönen versucht. Aber: Ihm wurde nicht übel, das war schonmal ein großer Fortschritt gegenüber New York.

Um 8.40 Uhr waren wir hier, die S-Bahn in die Stadt war schnell gefunden und um 10.30 standen wir vor dem Kinderrestaurant in der Nähe unserer Wohnung, das ich im Internet recherchiert hatte: leider pleite gegangen. Mist. Wir mussten ja die Zeit bis 14 Uhr überbrücken, bis wir in die Wohnung konnten. So sind wir dann in die nächstbeste Brasserie gestolpert, die es hier an jeder Ecke gibt. Das ist so eine Mischung aus Café, Restaurant und Bistro. Man kann an der Theke stehen und Kaffee trinken oder an den Tischen sitzen. Mama und Papa würde es nicht gefallen, wie gerade die männlichen Franzosen da rumstehen und palavern. Aber auch die Familien benehmen sich seltsam: Während ich eine Runde Kniffel mit Nick und Luke spielte, während wir auf das Essen warteten, kam eine Familie mit Vater, Mutter, Kind, die Eltern setzen sich schweigend hin, holen riesengroße Tageszeitungen raus und verstecken sich dahinter, während das Kind dumm aus der Wäsche schaut. Die Frau scheucht den Kellner zehnmal hin und her um ihr irgendwas zu holen. Wir haben für sauteure 50 Euro schlechte Bandnudeln mit Schinken und Pilzen und gute Burger mit Pommes gegessen, nachdem ich vor lauter Schreck all mein Französisch vergessen und nur noch „manger, manger“ gestottert hatte. Dann haben wir in einem Supermarkt sauteuer schonmal ein paar Vorräte eingekauft (dabei ist unser Kiez hier weit abseits der Touristenströme, trotzdem 3 Euro für 1 Liter Apfelsaft oder eine Packung Gouda) und dann zwei Stunden im Nieselregen in einem Park gesessen (mit Blick auf den Eiffelturm) und auf Einlass in unserer Wohnung gewartet. In dem Park und auf den Straßen stromern zahlreiche wilde Katzen herum und alte Frauen füttern sie wie in Deutschland die Tauben. Zum Glück meldete sich unsere Vermieterin dann wenigstens eine halbe Stunde früher als angekündigt.

Ob die Wohnung ein guter Griff war, muss sich erst noch herausstellen. Sie ist in einem Stadtviertel (Grenze zwischen 19. und 20. Arrondissement), von dem ich gelesen hatte, dass es bis vor wenigen Jahren noch als heruntergekommen galt, dass nun aber seit einigen Jahren die Preise steigen, Familien und Künstler herziehen und es aufwerten. Genauso sieht es auch aus: Unten im Haus ist eine Galerie, im Nachbarhaus auch, die nächste Straße in nördlicher Richtung ist eine lange Einkaufsstraße mit Brasserien, Bio-Läden & Co, sehr schön, man fühlt sich sicher und sieht auch besagte Familien. Doch zwei, drei Straßen weiter in südlicher Richtung ist es noch sehr abgerissen. Statt Massen türkischer oder russischer Mitbürger wie in Berlin gibt es hier vor allem sehr dunkelhäutige, woran man sich erst gewöhnen muss, es fühlt sich erstmal fremd an. Die Wohnung selbst ist winzig (12qm Küche/Esszimmer und 12qm Schlafzimmer mit vier Betten), aber grundsätzlich ok, nur das Wasser in der Dusche ist kaum lauwarm und in diesem winzigen vierstöckigen Haus gibt es auf jeder Etage vier winzige Wohnungen, also eine ganze Menge Menschen, und von denen hört man sehr viel (Kindergeschrei und -getrampel, hämmern und jetzt um 20 Uhr übt auch noch einer Geige!). Aber dafür kostet es auch nur knapp 500 Euro für die ganze Woche.

Die Jungs nerven wie blöde, nachdem sie schon eine Woche Osterferien aufeinandergehockt haben, gibt es ständig Streit und Provokationen.

Am Nachmittag sind wir dann nochmal los zum Père Lachaise Friedhof spaziert, 20min. Fußweg. Nick erwies sich als guter Helfer, sowohl am Flughafen als auch bei unserem Spaziergang fand er immer als erster die richtigen Wegweiser und Straßenschilder. Und er war auch der erste, der den Eiffelturm im Nebel erspähte. Hoffentlich wird es morgen wie angekündigt wärmer, heute war es schweinekalt und nass…

Der Friedhof hat die Jungs dann doch auch beeindruckt, die alten Gräber, von denen zum Teil die Grabplatten verrückt waren, sodass man tief ins die Gräber hineinschauen konnte, die vermoosten Mausoleen, die kuriosen Ornamente. Wir fanden Jim Morrisons Grab und ich vergoss ein paar Tränen – leider gab es keine Pilger mit Gitarre, die Door-Songs klimperten, oder kein Sit-in von echten Fans wie es immer beschrieben wird – nur die typischen Touristen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen wie das gehen soll, denn das Grab ist sehr eingekeilt zwischen anderen Gräbern, wo wollen die alle sitzen? Vielleicht hat man am Todestag am 3. Juli mehr Glück.

Dann einen anderen Weg zurück entlang einem Boulevard, der seine besseren Zeiten schon hinter sich hatte, Abendessen, und jetzt schlafen die Jungs und endlich ist Ruhe.

Zum Vergrößern der Bilder einfach draufklicken!

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