Montag, 22. Juli

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Heute morgen hat es geregnet, und das, obwohl ein Strandtag versprochen war. Die Jungs waren extrem sauer (als ob ich was für das Wetter könnte) und besonders Luke hat den ganzen Tag „zur Strafe“ gemault. Nerv!
Wir sind mit der kostenlosen Staten Island Ferry von Manhattan nach Staten Island übergesetzt (20min.) und direkt mit der nächsten wieder zurück, um Manhattan einmal vom Wasser aus zu sehen und an der Freiheitsstatue vorbei zu fahren. Die Freiheitsstatue war allerdings (entgegen der Empfehlungen in den Reiseführern) auch vom Boot aus noch ganz schön weit weg – schöne Erinnerungsfotos konnte man nicht so richtig machen. Dafür hat die bauchige Staten Island Ferry aber auch schön ruhig im Wasser gelegen, während die kleinen Boote, die direkt nach Liberty Island zur Statue fuhren, extrem schaukelten – da war ich froh, da nicht drauf zu sein!
Ich fand die Fahrt und die Aussicht toll, Nick hatte sich inzwischen auch beruhigt, aber Luke hat nur gemotzt und geheult und in meinem Rucksack rumgekramt, bis ich ihn an die Reling gezerrt und gezwungen habe, sich das alles anzuschauen. Die Rückfahrt war noch spektakulärer, weil man auf Manhattan zu fuhr und die Wolkenkratzer, anfangs im Dunst gelegen, immer klarer wurden und sich die Skyline auf wundersame Weise immer wieder veränderte und zu einem neuen Puzzle zusammenschob, je näher und weiter östlich wir kamen. Wir sahen eine ganze Handvoll Hubschrauber, die über der Bucht patroullierten und auch die dicken Tanker unter der Verrazano-Narrows-Brücke durchfahren, ein Müll-Schiff, das den stinkenden Müll von Manhattan abtransportierte, wir sahen, dass auch in New Jersey und Brooklyn durchaus hohe Wolkenkratzer stehen. Wir sahen, dass die Hochhäuser nicht alle wirklich „schön“ sind, nicht alle in der Glas- und Stahl-Architektur gebaut, die heute modern ist. Da sind auch ein paar Dinger dabei, die sehen ganz schön nach den 80ern aus und ein paar einfach nur hässliche (überhaupt ist die Südspitze, wenn man wieder aus der Fähre steigt, überhaupt nicht schön oder atmosphärisch). Aber ich mag NY ja auch nicht wegen der Skyline oder den Shopping-Möglichkeiten oder dem ganzen trendigen Brimborium, das heute darum gemacht wird. Sondern weil es DAS Symbol schlechthin für die Möglichkeit ist, sein Leben zu verändern, seine Träume zu verwirklichen, NY ist nicht nur mein konkreter kleiner Traum, es ist nicht nur eine Stadt, die man gesehen haben will, sondern ein Zeichen für ALLE Träume, die alle Menschen im Leben verwirklichen möchten, ein Stück Menschheitsgeschichte hat sich hier abgespielt, so viele Schicksale verweben sich hier seit über hundertfünfzig Jahren… Und während man auf die Skyline zufährt, hat man das alles im Kopf und stellt sich vor, man wäre nach sechs Wochen im Bauch eines Einwandererschiffes nun endlich so dicht am Ziel seiner Träume…
Ach, ich hätte gern so viel noch gemacht. Von der Fähre sind es nur ein paar hundert Meter zum Ground Zero, wo man die Gedenkstätte für den 11. September besichtigen kann, es gibt dort unten an der Südspitze das Tenement Museum, ein altes Arbeiter-Wohnhaus, das noch genauso belassen wurde wie vor 150 Jahren, und wo man Führungen buchen kann, aber man muss vorab online buchen und sich auf eine konkrete Zeit festlegen, das ist mir mit den Kindern nichts, zumal sie es hassen, wenn sie nichts verstehen von dem, was erklärt wird, und dann ganz schnell die Lust verlieren. Dann gibt es noch eine Einwandererwohnung, die auch noch original ist, und ich wäre gerne nach Ellis Island gefahren und hätte mir das Einwanderermuseum angeschaut. Und und und. Nun haben wir noch einen Manhattan-Tag und zwei Strandtage vor uns, und für den einen Manhattan-Tag muss ich mir überlegen, was ich unbedingt noch machen will bzw. was ich den Jungs noch zumuten kann. Ich verstehe sie ja, meine Kräfte lassen auch langsam nach, nach so vielen Besichtigungen jeden Tag und der Hitze (heute ist es zum ersten Mal richtig angenehm!!! 26 schwüle Grad, entspricht 30 trockenen in Berlin), aber wir sind doch nur dieses eine Mal hier!!! Und erst jetzt habe ich in unserer Ferienwohnung ein Buch gefunden: „Die 50 besten Dinge, die man in New York mit Kindern machen kann“. Toll. Hätte ich das mal vorher gehabt!
Also wegen Lukes wirklich extremer Meckerei haben wir dann nur noch eins gemacht, nämlich das kostenlose Indianermuseum am Battery Park besichtigt. Ein imposantes Gebäude, doch die Ausstellung recht klein und vor allem wild durcheinander gewürfelt: von der Eskimo-Tracht über den Lakota-Federschmuck bis zur Inka-Decke. Von alten Fundstücken aus dem Wilden Westen bis zu moderner Kunst von Native American Artists (Robbe aus Autoreifen, mit Fotos beklebte Ledertracht!?!?!) . Es gab auch nur ein „Kinderzimmer“ mit einem Tipi, in das man sich reinsetzen konnte, einem Büffelfell, das man anfassen konnte, und einem kleinen Film, in dem erklärt wurde, wie aus einem gehäuteten Tier eine Lederdecke gemacht wird. Das schönste war eigentlich die Ecke, in der erklärt wurde, wie die Rock- und Popmusik durch indianische Klänge beeinflusst wird, man konnte über Kopfhörer z.B. Jimi-Hendrix-Soli anhören, die von Trommelrhythmen inspiriert waren o.ä. Auch im Andenkenladen hätte ich noch stundenlang stöbern können, aber die Kinder fingen an, mit Bällen herumzuwerfen und die Auslage auseinanderzunehmen und ich will sie auch nicht immer vor den anderen Leuten anblaffen…
Übrigens: Egal, wie sehr man es versucht, auf Fotos kann man die Atmosphäre hier einfach nicht festhalten. Man steht auf den Bildern immer bloß blöd rum vor irgendwelchen Häusern, aber das ganze Panorama, die Straßenfluchten, das Gefühl, eine Ameise zwischen den Wolkenkratzern zu sein, das kriegt man einfach nicht drauf. Die Jungs haben es natürlich erst recht nicht drauf und nicht die Geduld dazu und nicht das Verständnis dafür, ein richtig schönes New York-Erinnerungsfoto von mir zu machen, das ich mir vergrößern und an die Wand hängen kann. Aber so ist das wohl.
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