Dienstagabend und Mittwochvormittag

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Nachdem wir einen schönen gestrigen Abend und heutigen Vormittag hatten, bin ich nun endgültig überzeugt, dass es eine gute Idee war, herzufahren. Alles klappt wunderbar, alle Sehenswürdigkeiten, die ich für die Kinder rausgesucht habe, gefallen ihnen, auch das viele Laufen ist mit seltenem Nörgeln zwischendurch kein Problem, und trotz der Eiseskälte und der leider noch absolut null erwachten Natur bekommen wir eine hübsche Stadt zu sehen, an die wir uns gerne erinnern werden. Die Wohnung ist für unsere Bedürfnisse absolut ausreichend, und außer der Feuerwerkskörper in der ersten Nacht und einem besoffenen Mitbewohner unseres Etablissements heute Nacht, der an unser Hoftor polterte, um eingelassen zu werden, ist auch hier alles in Butter.

Aber bis ich zu diesem Punkt kam, war es eine harte Tour, das kann ich euch sagen. Bevor wir losfuhren, habe ich zwei Nächte so gut wie gar nicht geschlafen vor lauter Aufregung, dass etwas schiefgehen könnte und ich am Ende total bescheuert dastehe, weil ich ja unbedingt sowas Beklopptes unternehmen musste. Dementsprechend stand ich am ersten Tag ziemlich neben mir, auch gestern war ich zwischendurch ziemlich fertig. Erst jetzt, wo ich geschlafen habe und weiß, es läuft alles und bald haben wir es heil überstanden, kann ich mich halbwegs entspannen. Das ist natürlich total bescheuert, so vergehen die schönen Tage und man kann sie gar nicht richtig oder erst rückwirkend genießen, aber es ist eben so, wenn man die alleinige Verantwortung für die Kinder in einem fremden Land hat, schwebt das Damoklesschwert der möglichen Katastrophe ständig über einem. Allerdings fällt es richtig auf, dass hier total viele (auch viele deutsche) Touristen mit Kindern sind, im Theater waren welche, auch spät abends treffen wir noch wache Kinder, die jünger als Nick und Luke sind, also dass Prag nicht kinderfreundlich sei (wie im Internet steht), kann ich nicht bestätigen.

Gestern Abend das Schwarzlichttheater war für die 18 Euro pro Ticket absolut ok. Für Erwachsene keine herausragende Darbietung, aber die Kinder haben sich amüsiert. Es war immer abwechselnd eine Tanzeinlage in Neonkostümen, angeleuchtet vom Schwarzlicht. Hätten ein paar mehr Special Effects sein können, denn das ist ja das Tolle am Schwarzlichttheater, wenn die Tänzer plötzlich verschwinden oder durch die Luft schweben und so. Zwischendurch, während sich die Tänzer umzogen, gab es pantomimische Einlagen eines tölpelhaften Polizisten, der zwei Räuber jagte, was die Kinder auch amüsiert hat.

Heute sind wir wieder früh um neun aufgebrochen, um die ersten an den Sehenswürdigkeiten zu sein, und das war wieder die richtige Entscheidung. Mit der Zahnradbahn ging es auf den Petrinhügel, die Fahrt war total kurz, aber abenteuerlich auf diesem steilen Hang. Oben angekommen sind wir auf den Nachbau des Eiffelturms geklettert, 299 Stufen hoch. Eine atemberaubende Aussicht, es hat sich wirklich gelohnt, obwohl Nebel über der Stadt lag und die Kinder die auf eine Stunde angesetzte Kletterpartie in 20 Minuten absolvierten und dabei jeder eine andere Anzahl Stufen zählte. Dann wollten wir noch eben aufs Klo im Keller und haben etwas Tolles entdeckt: die tschechische Spielzeugfirma Merkur stellte ihre Metallbaukästen zum Ausprobieren bereit. Anderthalb Stunden saßen die Jungs da und haben aus Metallplättchen, Schrauben und Muttern Autos zusammengesetzt, während ich friedlich las. War nur etwas kalt in dem Keller. Heute Nachmittag werden wir ein Spielzeuggeschäft suchen, um einen Merkur-Kasten zu erwerben, denn in Deutschland werden die in normalen Spielzeuggeschäften nicht vertrieben. Kann ich für Leto und Leroy in vier Jahren nur ebenfalls empfehlen!

Direkt neben dem „Eiffelturm“ liegt dann das Spiegelkabinett, wo man sich in einem Spiegellabyrinth verirren und sich vor einigen lustig verzerrenden Spiegeln amüsieren kann. Kostet natürlich alles extra Eintritt, aber insgesamt hielt es sich in Grenzen. Beim Abstieg vom Petrinhügel ist Luke dann böse hingefallen, man könnte das hier auch Stolper-City nennen, weil wir uns einfach nicht daran gewöhnen können, dass die Gehwege nicht so eben und sorgfältig gebaut sind wie in Deutschland… ständig stolpert einer. Aber nach ein paar Tränen war es ok und wir sind über die Karlsbrücke zurück in die Wohnung, um Putzengeschnetzeltes mit Reis à la Maggi-Tüte zu kochen. Und hier endet nun mein Prag-Plan und die Kinder dürfen sich die restliche Zeit aussuchen, was sie (nochmal) machen wollen. Sie wollen in das Spielzeuggeschäft wegen des Merkur-Baukastens, für Papa ein T-Shirt kaufen, die Aposteluhr besuchen, wenn die Apostel rauskommen, noch so eine leckere Prager Ringel-Nascherei essen, wie wir sie gestern probiert haben (süßer Teig um einen Stock gewickelt, der überm Kohlefeuer gedreht wird wie Baumkuchen, schmeckt aber eher nach süßem Hefeteilchen. Gibt es in Vanille und anderen Geschmacksrichtungen).

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