London Tag 5

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Heute hatten wir nochmal einen richtig schönen Tag, obwohl er nicht gut anfing. Luke hatte sein häufig auftretendes undefiniertes Unwohlsein, das von Schwindel über Kopf- und Bauchschmerzen bis Schwäche alles Mögliche beinhaltet. Er weinte, hatte ganz rote Augen, ließ sich zu Boden fallen, weil er selbst in der Wohnung keinen Schritt gehen könne. Es macht mir Sorgen, aber unser Kinderarzt Dr. Riedle sagt immer abwechselnd, es sei ein Infekt oder es sei psychisch. Es hat bis 12 Uhr gedauert, bis ich Luke dazu überredet hatte, das Haus zu verlassen, mit dem Versprechen, dass wir langsam gehen, jederzeit umkehren können etc. Wir sind zur Brick Lane, einem Szeneviertel in East London gefahren. Selbst als wir um 13 Uhr ankamen waren dort noch nicht alle Geschäfte auf, es ging erst so gegen 14 Uhr los, aber dann wahrscheinlich bis tief in den Abend hinein. Im südlichen Teil der Brick Lane gibt es vor allem viele indische und bengalische Restaurants, weiter nördlich dann vor allem Second-Hand-Geschäfte, Pop up Outlet Geschäfte, Clubs und Bars. Es ist dort wie in Berlin vor 18 Jahren: Es gibt noch die ganzen alten Sachen von Vinyl-Platten bis Schlaghosen und abgefahrenes Zeug, was man nirgends sonst bekommt. In irgendeiner Mauer tut sich ein Loch auf, eine Treppe führt in einen Keller, es steht ein kleines Schild dran „Market“ mit Pfeil hinunter. Wenn man runter geht, gelangt man in einen großen unterirdischen Raum, in dem o.g. Sachen verkauft werden. Oder zwischen einem Haus und einem Abhang, der zu den S-Bahn-Gleisen runterführt, gibt es eine Holztür, auf einem Schild steht „Bitsch Kitsch“, und wenn man den Pfeilen folgt, gelangt man durch einen Holzgang in einen Verschlag, wo sie allerhand verrücktes Zeug feilbieten. Ich liebe das! Vor allem aber wollte ich den Jungs die Graffiti rund um die Brick Lane zeigen, die ich bei der Führung bei meiner letzten Reise gezeigt bekommen hatte. Ich fand alle wichtigen Stellen wieder und erklärte den Jungs das, was der Tour Guide uns damals erklärt hatte über die verschiedenen Sprühtechniken, über die berühmten Künstler, zeigte ihnen neue Graffiti, die dort im letzten August noch nicht gewesen waren und die berühmten von Jimmy C. und einem belgischen Künstler namens ROA. Ungefähr mit derselben Begeisterung, mit der Inga den Kindern die Harry Potter Ausstellung erklärt hätte, in dem verzweifelten Versuch, ihnen nahezubringen, was das Tolle daran ist, und dass sie, wenn sie auf Klassenfahrt nach London fahren und ihren Klassenkameraden die Brick Lane zeigen, die Kings sein werden. Luke zeigte als erstes Interesse und begann mit mir, in den Seitenstraßen, auf Stromkästen und in Nischen Graffiti zu suchen, um sie zu fotografieren. Nick war erst interessiert, als wir einen echten Graffiti-Sprayer sahen, der gerade angefangen hatte, auf einer schwarz übertünchten Wand zu sprühen. Ihn beobachteten wir eine Weile, aber er kam nicht so recht voran. Wir folgten der Brick Lane bis zu den Allen’s Gardens, einer großen Wiese mit tollen Spielgeräten für große und kleine Kinder. In wunderschönster Sonne verbrachten wir dort eine Weile. Hinter einer S-Bahn-Unterführung beginnt ein „Community Garden“, den uns damals auch der Graffiti-Führer gezeigt hatte. Eine ehemalige Brache, die von den Leuten zurückerobert wurde. Arme Leute, die keinen Garten haben, bauen sich dort aus Autoreifen und Europaletten kleine Beete und pflanzen Gemüse, Künstler stellen ihre Werke aus (aktuell ganz tolle Echsen aus Autoreifen), es gibt zwei Biocafé-Bauwagen mit Sitzecken aus Europaletten. Wir kamen mit einer Marokkanerin ins Gespräch, die in einem der Cafés verkaufte und demnächst irgendwelche Theaterstücke aufführen will, bei denen die Zuschauer auch Essen serviert kriegen. Auch da versuchte ich den Jungs zu erklären, warum ich das so liebe, wenn Bürger ihre Stadt so kreativ gestalten und man so schnell mit spannenden Leuten ins Gespräch kommt, und dass ich meine ersten Jahre in Berlin nur in solchen Projekten verbracht habe. Am anderen Ende der Allen’s Gardens beginnt die „Spitalfields City Farm“, ein kleiner Stadtbauernhof, der etwas an den Ziegenhof in Berlin (Danckelmannstr.) erinnert oder an die Domäne Dahlem. Auf einem, ehemaligen Parkplatz wurden 40 Tonnen Erde aufgeschüttet, kleine Ställe für Esel, Kühe und Hühner gebaut, Gemüsebeete angelegt, Bienenstöcke, Insektenhotels und alles, was dazugehört. Es gab Bastelstationen für Kinder, ein kleines Café mit glutenfreien Brownies und Eis, alle möglichen Unterschlüpfe mit Sitzgelegenheiten, von der Jurte über ein Baumhaus bis zu einem aus lebenden Weiden geflochtenen Zelt. Da hätten wir auch unser Familientreffen machen können – von Isabella bis Nick war für jedes Kind etwas dabei. Und: Es gab Schafe! Und was soll ich sagen: Ihr Anblick allein reichte, um Luke zu heilen. Kein Zeichen von Schwäche mehr, kaum hatte er die Schafe gesehen, war der Tag für ihn gerettet, er strahlte und wollte nicht mehr weg, und danach drehte er sich fröhlich auf dem Spielplatz auf den Karussells im Kreis, ohne ein Anzeichen von Schwindel. Als wir Hunger bekamen, gingen wir zum nahegelegenen Spitalfields Market, der noch aus dem viktorianischen Zeitalter stammt – inzwischen sind die alten Verkaufshäuschen mit einem modernen Glas- und Stahldach überdeckt und es gibt auch viele Restaurantketten. Wir aber suchten uns wieder in der Street Food Gasse etwas aus, Luke ein italienisches Wurst-Pasta-Gericht, Nick ein superscharfes indisches Curry und ich glutenfreie indische Reis-Pfannekuchen mit Kartoffelfüllung, die nicht ganz so gut waren wie die beiden Gerichte von gestern und vorgestern, aber auf jeden Fall sehr interessant. Gegen 17 Uhr waren wir zu Hause, und das ist besser so als gestern, wo wir auch 5 Stunden unterwegs gewesen waren, aber von 9 bis 14 Uhr. Nur hat man dann, wenn man um 14 Uhr schon wieder in der Wohnung hockt, das Gefühl, man muss unbedingt nochmal raus, und wenn man den Tag in Ruhe angehen lässt und kehrt um 17 Uhr zurück, dann reicht es auch und man kann es sich für den Abend gemütlich machen. Beziehungsweise müssen wir jetzt wohl packen. See ya soon!

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London Tag 4

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Heute waren wir schon um 9 Uhr aufbruchfertig. Mein Versuch, mit den Jungs zu dritt in dem riesigen, superbequemen Doppelbett im Souterrain zu schlafen, weil das Ausziehsofa so hart ist, war fehlgeschlagen. Also wachte ich mit schmerzenden Hüftknochen um halb acht auf, und kurz danach auch Luke. Wir sind dann zur Tower Bridge gefahren – die einzige typische London-Sehenswürdigkeit, die ich mir rausgesucht hatte. Die Jungs wären zwar noch lieber mit dem Riesenrad (London Eye) gefahren, aber da traue ich mich nicht rein. Es ist ja das größte Riesenrad Europas, und ich stelle mir vor, dass es allein schon eine Stunde dauert, bis die Leute alle aus den Kabinen raus- und neue Leute reingestiegen sind. Dann hängt man da ewig in 135 Metern Höhe herum. Nee, nicht mit mir, nicht mit dem Commander… Unterwegs gabs bei schönem Sonnenschein ein Eis und konnten wir auch noch den Tower bestaunen und ein paar Bilder machen und dann eben die Brücke. Für halbwegs günstige 14 Pfund für die ganze Familie klettert man im einen Turm 200 Stufen hoch, schaut sich oben wunderschöne alte Filmaufnahmen aus der Zeit an, als sie mit Pferdekutschen über die Brücke fuhren, und läuft dann oben in einer der Querstreben zum anderen Turm. Leider haben sie dort oben alles mit Glas verkleidet, sodass man durch einen geschlossenen Raum geht und der Nervenkitzel fehlt, und nicht nur das, es hängen auch viel zu viele Erklärtafeln und Flatscreens herum, die einem den Ausblick verstellen. Aber es gibt wie auf dem Eiffelturm ein Stück Glasboden, über den man laufen kann, während unten Themse und Verkehr fließen. Die Jungs haben sich darüber getraut. Im anderen Turm gibt es weitere Filme über den Bau der Brücke. Dann mit dem Aufzug hinunter und in die Maschinenräume der Brücke aus viktorianischen Zeiten. Es wird erklärt, wie mehrere Dampfmaschinen dafür sorgten, dass sich die Brücke aufklappen kann, sodass größere Schiffe hindurchfahren können. Heute läuft das mit anderen Gerätschaften – leider erst am 22. April zum nächsten Mal. An einem Modell konnten die Jungs selbst die Brücke in Bewegung setzen. Alles in allem nicht wahnsinnig aufregend, aber eine nette Unternehmung. Dann spazierten wir am Themseufer Richtung London Bridge – vorbei an einem alten Kriegsschiff. An der London Bridge unter den sich kreuzenden Gleisen mehrerer S-Bahn-Linien gibt es den Borough Market, den ich bei meinem letzten Besuch kennengelernt hatte. Es gibt einen Marktteil, auf dem typische Marktwaren verkauft werden wie Käse, Schinken, Backwaren, etc., und einen Marktteil mit Street Food Buden. Und wieder ein Himmel für glutenfrei-Esser: An jeder zweiten Bude hängen Schilder, welche Sachen man essen kann, oder zumindest der Hinweis „Nahrungsmittelallergiker bitte fragt uns“! Ich entschied mich für ein äthiopisches Gericht mit Reis, Kohl, Linsen und Hühnerfleisch, das zusätzlich laktosefrei war und das ich mir mit Luke teilte. Nick traute sich und probierte die typisch britischen Fish & Chips, die ihm auch super schmeckten, nur auf den Essig verzichtete er dankend. Dann bekamen die Jungs noch gebrannte Mandeln und ich fand den Stand „The Free From Bakery“, von dem ich schon im Internet gelesen hatte: die köstlichsten Backwaren, Torten, Muffins, Müsliriegel, Cookies, Cupcakes, Kuchen, und an jedem hängt ein Schildchen mit Info, ob gluten free, dairy free, ohne Eier, ohne Nüsse, … Traumhaft. Zusätzlich alles bio. Ich kaufte einen köstlichen Karottenkuchen für 7,50 Pfund. Es gibt ein kleines Gartenhaus auf dem Markt, wo man gemütlich zwischen Blumen und einem Straßenmusiker essen kann. Dann hat Luke auf dem U-Bahn-Plan herausgefunden, dass es eine durchgehende Linie bis zu uns nach Camden gab, bevor ich überhaupt soweit war, das zu prüfen. U-Bahn-Pläne faszinieren ihn, seit ich ihm und Nick einen besorgt habe, weil in Berlin mehrmals Bahn-Chaos geherrscht hatte und sie Umwege zum Handball fahren mussten. Auf dem Rückweg spazierten wir wieder die Camden High Street hinauf – das finde ich wirklich toll, dass wir jeden Tag in dieses Viertel, wo andere Touristen vielleicht einmal einen halben Tag verbringen, „nach Hause“ fahren können. Auch in dem Marktgewirr, in dem ich mich auch nach fünf Londonbesuchen immer noch verlaufe, finden sich die Jungs beinahe blind zurecht. Nick wollte nochmal in den Sportladen, noch mehr Angeber-Ghetto-Klamotten anprobieren, und ich musste eine Aladin-Hose umtauschen, was auch gelang. Dann machten wir zu Hause Mittagspause und gingen nachmittags nochmal zum Fußballspielen in den Primerose Hill und den Regent’s Park bei uns um die Ecke, wo sie inzwischen leider alle Fußballtore abgebaut hatten. Und jetzt sind wir ko.

London Tag 3

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Heute haben wir uns einen entspannten Tag vorgenommen nach dem Freizeitstress des Flug- und des Harry Potter-Tages und es hat sogar geklappt! Um zehn Uhr sind wir los, zuerst auf den Primerose Hill, einen kleinen Park mit einem Aussichtshügel ganz in der Nähe unserer Wohnung, auf den ich schon immer mal wollte. Man hat noch einen phantastischeren Ausblick als vom Parliament Hill im Hampstead Heath. Dann fanden wir einen netten Spielplatz und eine Trimm-dich-Anlage, wo wir noch etwas Zeit verbrachten. Einmal über die Straße, und schon ist man vom Primerose Hill Park im Regent’s Park. Dort gab es zur großen Begeisterung der Jungs einen riesigen Rasen mit acht (!) Fußballfeldern, auf dem sie sich austoben konnten. Leider kamen irgendwann ein paar unfähige Gärtner, die uns die Tore (eigentlich nur Metall-Gestänge) unter den Füßen abschraubten, ohne irgendwie das Gespräch mit uns zu suchen oder uns das Ganze zu erklären. Einer der Gärtner schraubte an einem Tor herum, in dem Nick und Luke gerade spielten, und ich dachte, er dreht die Schrauben nach dem Winter wieder fest für die Frühlingssaison. Wenig später stellte sich heraus, dass er sie locker gedreht hatte, und dass Nick und Luke die ganze Zeit die Querstange hätte auf den Kopf fallen können, wenn sie sie mit dem Ball getroffen hätten! Die Stange fiel nämlich dann dem anderen Gärtner beinahe auf den Kopf. Und sie war aus schwerem Metall… Naja, die Jungs hatten da aber schon eine Stunde Fußball gespielt und ich hatte zwischen dicken Wolken auch immer wieder Sonnenphasen abgekriegt und konnte es so ganz gut aushalten. Nun war mir aber kalt und ich dachte, wir gehen für ein Stündchen in den London Zoo, der im Regent’s Park ist, und wärmen uns in irgendeinem Affenhaus auf. Aber der Eintritt kostete für uns drei sage und schreibe 70 Pfund (= noch mehr Euro)!!! Das war mir für ein Stündchen dann doch zu viel. Also ließen wir den Zoo sein und spazierten am Regent’s Canal mit seinen Hausbooten, den ich liebe und an dem ich bei jedem Londonbesuch einmal entlang spazieren muss, entlang bis zum Camden Lock Market. Wir sahen besagte Hausboote, ein paar Kinder auf Kanu-Tour und viele der Zootiere von der Rückseite der Gehege. Dann ist es wirklich kurios, eben geht man noch entspannt am Kanal entlang, es öffnet sich links ein kleiner Durchgang in der Mauer, man geht hindurch und steht plötzlich mitten im Markt-Trubel des schönen Straßenmarktes. Wir gönnten uns einen Mittags-Snack, die Jungs Bratwurst, und ich kriegte mich kaum ein vor Entzücken, denn wie ich vorher schon im Internet recherchiert hatte, gab es im West Yard mehrere Stände, die glutenfrei kochen, und wir fanden sie alle auf Anhieb und ich hatte sogar die Wahl und konnte mir einfach so von einer Bude etwas zu essen kaufen. Ihr ahnt gar nicht, was das für eine Freude ist, wenn man die ganze Zeit nicht mal eben beim Bäcker reingehen und sich ein Croissant holen kann! Ich entschied mich für ein columbianisches Gericht mit Kartoffeln, Salat und Hühnchenfleisch, und es war köstlich. Dann gingen wir die Camden High Street mit ihren ganzen Geschäftchen hinunter, und wie das so ist: während mich eher die Markstände mit Kunst-Angebot begeisterten, schwärmten die Jungs sofort in irgendwelche doofen Sportklamotten-Läden mit doofer, lauter Chart-Musik und Nick kaufte sich eine Jogginghose. Aber so war wenigstens für jeden etwas dabei. Dann standen wir noch bei der Post in der Schlange, um eure Postkarten abzuschicken, hörten zwei Straßenmusikern zu, stromerten dann über einen eigenen T-Shirt-Markt, der auch sehr kurios ist, weil die Stände so dicht aneinander stehen, dass es praktisch gar keine Marktgassen gibt, sondern man von einem Stand in den nächsten schlittert. Zuletzt wieder über den Camden und Stables Market nach Hause, Luke entschied sich für ein Grufti-Shirt mit brennender Gitarre als Andenken. Insgesamt waren wir fünf Stunden unterwegs, und das reicht auch für heute. Morgen müssen wir als erstes einen Geldautomaten suchen!!!

London Tag 1 und 2

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Ich bin SO froh, dass eben unser Vermieter James geklopft und sich vorgestellt hat (und uns die Heizung angestellt hat)! Während wir seine Wohnung nutzen, wohnt er bei seiner Freundin in der Wohnung gegenüber. Sie sind gerade aus dem Osterurlaub zurückgekehrt. Jetzt fühle ich mich viel wohler, denn erstens weiß ich, wir sind nicht ganz allein in diesem Haus in diesem abgelegenen Wohnviertel wie gestern Nacht (in der draußen ein Sturm tobte, Mülltonnen und Blumentöpfe durch die Luft flogen und dauernd Polizeisirenen zu hören waren), und ich weiß, er ist nicht der komische Kauz, als den ich ihn mir wegen der Sachen in seiner Wohnung vorgestellt habe, sondern ein junger, netter, sportlicher Typ.

Wir hatten nämlich einen etwas unsanften Start in London gestern. Zwar verliefen der Flug und das Finden der Wohnung problemlos, aber irgendwie war die Stadt wie ausgestorben (weil alle im Osterurlaub sind?). Unsere Wohnung war mir nicht ganz geheuer, weil eben so einsam, etwas schmuddelig, die Sachen darin erinnerten eher an einen alten Professor mit einer Vorliebe für Erotikfilme und abgelatschte Schuhe, wir froren, weil die Heizung nicht ging, dann der wirklich heftige Sturm, der dafür sorgte, dass ich die zweite Nacht hintereinander nicht schlafen konnte… Nachmittags waren wir zum Hampstead Heath gefahren, Londons größtem Park, eher wie der Grunewald als wie ein Park. Dort sollte es eine Osterkirmes geben. Nach längerem Suchen haben wir sie gefunden, da waren unsere Schuhe schon von einer zentimeterdicken Schlammschicht umhüllt und wir zweimal komplett nassgeregnet. Zwischendurch kam aber immer wieder ziemlich warm die Sonne raus und hat uns getrocknet. Auf der Kirmes wussten die Jungs dann nicht, was sie machen sollten und konnten sich für kein Fahrgeschäft begeistern, obwohl es durchaus eine größere Kirmes war (aber kaum Besucher). Also sind wir noch weiter durch den Schlamm gestapft bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man wirklich einen tollen Blick auf die Skyline des Financial District hatte. Doch kaum hatten die Jungs ihren Ball ein paarmal hin und her geschossen, kam der nächste Schauer. Also zurück zur U-Bahn. Zurück an unserer Station haben wir einen ersten Erkundungsgang über die Straßenmärkte in Camden Town gemacht und auch schon ein Shirt und ein paar Armbänder gekauft. Die Jungs fanden es durchaus aufregend, besonders Nick, aber waren aufgrund der Reizüberflutung in diesem Markt-Labyrinth dann auch bald unleidlich.

Heute waren wir in der Harry Potter-Ausstellung etwas außerhalb von London. Der Weg dorthin war leicht zu finden, um 9 sind wir los, um 10.40 waren wir da, incl. Fußweg, U-Bahn, Regionalbahn und Bus. Dank Ingas Beschreibung waren wir ja auch auf alle Eventualitäten vorbereitet. Obwohl unsere Tickets für 12 Uhr ausgestellt waren, durften wir uns gleich anstellen. Also sie machen ein Riesenbrimborium aus der Sache, und das müssen sie wohl auch, damit es zum Event wird. Ohne das, denke ich, würde man sagen: Naja, ganz nett, aber dafür 30 Pfund pro Person? Schon im Bus gibt es einen vorbereitenden Film mit dramatischer Musik. In der Halle muss man anstehen, dann wird man mit 100 Leuten in einen kleinen Raum gelassen. Da gibt es einen Animateur, der ein paar witzige Sprüche macht, und noch einen Film, noch dramatischer. Dann wird man in einen Kinosaal gelassen. Wieder ein Animateur, wieder witzige Sprüche, wieder ein Film, noch dramatischer. Dann rollt sich die Leinwand, auf der eben noch der Film gezeigt wurde, hoch und dahinter erscheint die Tür zum großen Saal aus den Potter-Filmen. Ein Geburtstagskind aus der Gruppe darf die Tür öffnen. Und obwohl ich absolut kein Potter-Fan bin und nur den allerersten Film gesehen habe, war ich ob der ganzen Dramatik (und des Reisefiebers) den Tränen nahe! Durch den großen Saal wird man ziemlich durchgescheucht, weil im 10min.-Takt die nächsten Gruppen einfallen. Das fand ich schade, denn der Saal war einer der besten Momente. Dann ist man in einer großen Fabrikhalle und kann sich verschiedene Sets aus den Filmen ansehen. Das ist zweifelsohne alles sehr detailverliebt und schön gemacht und auch für die Kinder haben sie sich ein bisschen was ausgedacht: An verschiedenen Stationen kann man sich solche Prägestempel in einen Ausweis stempeln, in jedem Set sind diese goldenen Quiddich-Bälle versteckt, die man suchen soll, es gibt einen Zauberstab-Schwing-Kurs etc. Aber die Kinder stehen natürlich nicht wie Inga vor jedem Set und bestaunen stundenlang die Kunst der Bühnenbildner. Nick wollte einfach nur von jedem Set ein Foto machen und dann weiter. Luke hatte ich den Audio-Guide umgehängt, und das war eine gute Idee, denn so hörte er sich vor jedem Ausstellungsstück an, was der Audio-Guide dazu erklärte und erzählte es uns dann wortreich weiter. Nur dadurch verbrachten wir eine längere Zeit, nämlich ca. 2 Stunden in der Halle. Irgendwann wurde mir das aber zu anstrengend – Lukes Erklärungen, auch die Dunkelheit in der Halle, die immer mehr werdenden Menschen. Man hatte zwar immer noch genug Platz, um sich zu bewegen, aber es war laut, wuselig, schlechte Luft, man musste auf die Kinder und seine sieben Sachen aufpassen. Also brachen wir dann den Audio-Guide ab und stellten uns noch bei einer Green-Screen-Attraktion an, wo man Bilder machen konnte, auf denen man auf dem Besen reitet oder im Auto dem Hogwarts Express hinterher fliegt. Ein solches Bild für 14 Pfund haben wir gemacht, aber ich fand, man wurde viel zu schnell dadurch gescheucht, weil so viele Leute anstanden. Das war schade. Da hätte man gerne noch ein paar Minuten länger diesen Spaß vor dem Green Screen mitgemacht. Dann noch schnell durch den Hogwarts Express, einen alten Eisenbahnzug, und für Inga einen Chocolate Frog in einem Andenkenladen gekauft. Dann endlich in die Cafeteria. Ich brauchte dringend eine Pause! Doch die konnte man in der Cafeteria nicht wirklich genießen. Die Essensauswahl war klein, man bekam nur ein paar Sekunden Zeit, um sich was auszusuchen, und alles mit Menschen überfüllt. Also auch dort wollte man nicht länger verweilen als es dauerte, einen Hamburger zu verschlingen. Dann gab es einen kurzen Ausstellungsteil im Freien, danach noch die beiden Höhepunkte der Ausstellung wieder drinnen: die Winkelgasse und das Gesamtmodell des Schlosses Hogwarts. Und diese beiden Teile haben mir am besten gefallen. Gerade in der Winkelgasse hatte man wirklich das Gefühl, mitten im Film zu stehen, und für jedes einzelne Schaufenster hatten sie sich wahnsinnig Mühe gegeben. Letztendlich sagen die Jungs, es hat ihnen sehr gefallen, obwohl ich vor Ort nicht erkennen konnte, dass sie wirklich von etwas gefesselt waren. Nicht mal im Andenkenladen hat ihnen etwas gefallen (ich habe mir ein T-Shirt gekauft). Nick hat wie gesagt nur Fotos gesammelt und Luke hat die ganze Zeit am Audio-Guide herumgefummelt. Aber es hat ihn beeindruckt, dass die Dreharbeiten für die acht Filme zehn Jahre gedauert haben, und er hat viel darüber spekuliert, wie das wohl für die Kinder war, zehn Jahre lang in der Nähe der Produktionshallen zu leben, dort auf eine eigene Schule für die Filmkinder zu gehen, nachmittags bei den Dreharbeiten zu sein und sich nach zehn Jahren zu trennen. Und jetzt unterhalten sie sich über die Ausstellung – also irgendwas muss hängengeblieben sein.

Paris, 7. Tag

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Letzter Tag. Heute haben wir uns noch die Promenade plantée, auch Coulée verte genannt, angeschaut – das Vorbild für die High Line in New York, also eine bepflanzte und zum Park umgewandelte ehemalige Bahntrasse. Scheint tatsächlich noch ein Geheimtipp zu sein, so wie es das Internet versprach, zumindest der Anfang der Promenade, die bis zur Ringautobahn reicht. Wir sind ab Metro Bel-Air eingestiegen und 2,6km bis fast zur Bastille gelaufen. Wunderschön, noch schöner als in New York, da es schon nicht mehr so künstlich wirkt, sondern die Pflanzen sich schon wirklich den städtischen Raum zurückerobert haben und es natürlich aussieht. Wunderschöne Blicke in Hinterhöfe, an denen einstmals die S-Bahn vorbeidonnerte und die jetzt auf eine schöne grüne Ader durch die Stadt schauen. Erst kurz vor der Bastille kamen dann die einen oder anderen Touristen dazu, jedoch kein Vergleich mit dem Gedränge und Geschubse in New York. Am Rande der Promenade am Jardin Reuilly entdeckten wir auch einen Spielplatz mit Fußballtoren und die Jungs spielten begeistert eine halbe Stunde lang, denn sowas hatten sie hier bisher vermisst. Es ist wirklich ein guter Tipp für Städtereisen mit Kindern, immer einen Ball, eine Frisbee und ein Set Tischtenniskellen dabei zu haben, sodass sie in den Pausen oder Wartezeiten etwas zu tun haben. Ich las derweil auf einer Bank in der Sonne.

Dann zwang ich den Jungs (mit Eis und Cola gestärkt) einen kleinen einstündigen Gewaltmarsch durch St. Germain auf (durch den Botanischen Garten und über einige sehr nette Pariser Plätze mit Brasserien, Kirchen, Spielplätzen, hübschen Häusern, für die wir allerdings nicht so richtig ein Auge hatten) mit der Aussicht, an dessen Ende an den Katakomben von Paris anzukommen, worin man die Knochen und Totenschädel der mittelalterlichen Pestkranken bewundern kann. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass die Warteschlange einmal um den Block reichte. Die Wartenden vorne in der Schlange berichteten, bereits 2,5 Stunden gewartet zu haben. Ich hätte nichts dagegen gehabt, mich wartend etwas auszuruhen, da es heute auch nicht ganz so heiß war, und an einem der umliegenden Imbisse etwas zu essen zu holen und mich zu stärken, um mir dann die Katakomben anzusehen, doch die Jungs hatten keine Lust. Und da dies unser letzter Tag ist und sie wirklich sehr tapfer waren diese Woche und – zwar meckernd und sich teils unverschämt benehmend – aber doch alles mitgemacht hatten, wollte ich ihnen nun ihren Willen lassen. Im Nachhinein hätten wir es anders herum machen und uns heute Morgen um 9 an den Katakomben anstellen sollen, dann hätten wir mit etwas Glück nur eine Stunde gewartet, und danach die Promenade lang spazieren können. Naja, hinterher ist man immer schlauer.

Wir fuhren also heim zur Tischtennisplatte, die nach zwanzig Minuten frei wurde, und die Jungs spielten ihre ausgiebigste Runde Tischtennis, fast 1,5 Stunden lang. Von der Nachbarplatte grüßten freundlich erst ein dicker kleiner Vater mit seinem dicken kleinen Sohn und dann eine Gruppe Studenten, die Rundlauf spielten, und ich dachte, während ich weiter in meinem Buch über einen Missionar in Grönland im 19. Jahrhundert las, dass es doch viel „echter“ ist, unter den Parisern an der Tischtennisplatte zu sitzen, als mit den Touristen an den Katakomben anzustehen.

Zum Mittagessen kauften wir uns „un poulet roit“ (Brathähnchen), das ich in fast perfektem Französisch bestellte, so wie mir auch die Frage „C’est la direction de la Bastille?“ auf der Promenade ohne nachzudenken über die Lippen gekommen war.

Somit waren wir jetzt in allen vier Himmelsrichtungen in Paris: im Nordosten wohnen wir, im Osten/Südosten haben wir Pere Lachaise und die Promenade plantée gesehen, im Süden St. German, im Südwesten den Eiffelturm, im Nordwesten den Jardin D’Acclimatation, im Norden Montmartre. Zeit heimzukehren? Ich bin froh, dass die Woche ohne Pannen und Katastrophen herum ist und ich meine Mission, die Jungs heil wieder nach Hause zu bringen, morgen hoffentlich erfüllen werde. Einiges an Anspannung wird dann von mir abfallen. Aber ich bin auch sauer, dass die ständige Sorge, dass bloß alles gut geht, mich dazu brachte, mich zu freuen, dass die Tage so schnell rumgingen. Ich weigere mich, mich von dieser Angst einschüchtern zu lassen, und würde gerne einfach aus Trotz noch länger bleiben. Andere Leute fahren einfach drauflos – nach Grönland im 19. Jahrhundert!

Wir werden nun packen und heute Abend um 21 Uhr zum dritten und letzten Mal das Lichtspektakel am Eiffelturm von unserem Aussichtspunkt im Parc de Belleville aus beobachten. Salut!

Paris, 6. Tag

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Gestern Abend haben wir noch die seltsamen Süßspeisen probiert, die es hier für 1 Euro das Stück in jeder Bäckerei gibt. Sie heißen Macarons. Schmecken entsetzlich nach Papier und Chemie und das für den Preis!

Heute hatten wir uns ja etwas Entspannung verordnet nach der gestrigen Tour de Force, und das ist auch sehr gut gelungen – bis auf zwei 30min.-Fahrten in der supervollen U-Bahn, die etwas anstrengend waren.

Wir waren im Jardin D’Acclimatation im Bois de Bologne. Der Bois ist der Stadt-Wald von Paris (also nicht Stadtpark, sondern schon eine größere Waldfläche, in der es nachts allerdings auch Prostitution gibt). Der Jardin ist eine Art Freizeitpark, eine Mischung aus Kirmes, Zoo, Spielplätzen und kleinen Kinder-Attraktionen. Einfach der perfekte Ausflug für uns. Als wir die kleine Bimmelbahn sahen, die uns vom etwas abgelegenen Nebeneingang zum Jardin brachte, dachte ich noch: Mist, ist wohl doch eher was für kleine Kinder, aber es gab für jedes Alter etwas. Wie gesagt Tiere: einen Bären, Hängebauchschweine, Wildtiere, Esel, etc. dann den kleinen Kirmesbereich mit Autoscooter, Kettenkarussell, Achterbahn etc. und einen weitläufigen Park mit Wiesen, Spielplätzen, Liegestühlen (!!!), Wasserspielplatz, Cafés und Restaurants. Und dann eben so kleine Attraktionen wie eine Wasserbahn, durch die man mit einem kleinen Boot schipperte. Das Preiskonzept ist etwas doof: nur 3 Euro Eintritt, dafür kostet dann jede Attraktion 1-2 Gutscheine à weiteren drei Euro. Ich habe für 35 Euro 15 Gutscheine gekauft, nur um dann festzustellen, dass unter der Woche nicht alle Attraktionen auf hatten und eigentlich genau die, die die Kinder mitmachen wollten, zu waren: eine tolle Kletterstrecke oben in den Bäumen, Elektroboote auf einem kleinen See, Trampoline, etc. Aber dafür waren auch recht wenige Leute da und man hatte genügend Platz und Ruhe, um sich zu entspannen. Am Wochenende ist es möglicherweise brechend voll, besonders bei so tollem Wetter (20 Grad laut Wetter-App, gefühlt aber eher 25-30).

Also, eigentlich waren die Jungs guter Dinge, natürlich mündet die Enttäuschung darüber, dass eine Attraktion geschlossen hat, in einen Riesenfrust und Motzerei, obwohl sie vorher an x anderen Stationen viel Spaß hatten. Auch die blöde Spackerei kriege ich ihnen nicht abtrainiert, wenn Luke z.B. durch den ganzen Park schreit „Ich muss kacken!!!!!!!!!!!!!“ und dann in ein völlig aufgesetztes und dämliches Gelächter ausbricht. Warum machen Kinder sowas? Warum müssen sie in der übervollen U-Bahn, in der man versucht, irgendwie an Sauerstoff zu kommen und seine 7 Sachen vor Taschendieben zu schützen, unbedingt anfangen, über ein Youtube-Video zu streiten? Naja. Trotzdem habe ich das Gefühl, wir haben uns etwas an das tägliche 24-Stunden-Zusammensein gewöhnt und auf unseren Rhythmus eingeschossen und kommen dadurch besser miteinander klar als am Anfang. Jetzt kann der Urlaub beginnen! Nur dass er jetzt fast zu Ende ist…

Heute hat der Eiffelturm gestreikt, sprich man konnte nicht hoch – gut dass wir das gestern gemacht haben, denn morgen ist ja schon wieder fast Wochenende, da wäre es sicher voll gewesen. Außerdem streikt die Flugsicherung in Frankreich von Mittwoch bis Freitag. Unser Flug für Samstag steht aber noch planmäßig im Internet (habe schon eingecheckt), ansonsten fahren wir ab Gare du Nord nach Frankfurt zu Inga (4 Std.) und schlafen da eine Nacht (Inga???).

In Berlin ist gestern ein 40jähriger Radiomoderator von Kiss.FM (den ich nicht kannte, Nichtraucher, Hobbysportler, 13jähriger Sohn aus einer Affäre mit einer Radiokollegin) mitten in seiner Live-Sendung tot umgefallen – Herzinfarkt. Der hundertste Beweis, dass es sich nicht lohnt, sich zu schonen, auf bessere Zeiten zu warten, sich in seinem Wohnzimmer zu verkriechen. Insofern: Ich habe mich entschieden: In den Sommerferien fliege ich mit den Jungs 3 Wochen nach Sardinien campen.

Paris, 5. Tag

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Heute haben wir wirklich ein Hardcore-Touristenprogramm hingelegt. Ich kann keinem empfehlen, nur nach Paris zu fahren, um die typischen Touristenstationen abzuklappern, da wird man wirklich verrückt bei den ganzen Menschen und Warteschlagen. Wir haben mit einigen verzweifelten Deutschen ein paar Worte gewechselt. Man sollte auf jeden Fall ein paar abgelegenere, echtere Orte wie das Bassin de la Villette oder den Parc des Buttes-Chaumont oder einen Kaffee in einer Brasserie einplanen (Wikipedia: „Brasserie ist ein französischer Begriff für eine bestimmte Art Gaststätte. Sie ist weniger formell und einfacher ausgestattet als ein Restaurant, verfügt jedoch im Gegensatz zu einem Bistro, Bar-Tabac oder Café über eine größere Auswahl an warmen Speisen. Das Wort Brasserie bedeutet eigentlich Brauerei“).

Es stellt sich als sehr schön heraus, dass wir eine Wohnung weit außerhalb dieses Zirkusses haben und immer wieder schön in unseren zwar trotzdem lebendigen, aber vergleichsweise normalen Kiez „heimkehren“ können. Es ist zwar nach wie vor gewöhnungsbedürftig, wie nah die Menschen hier aufeinander hocken (das wird wohl in den luxuriöseren Altbauten nicht so sein) – hinter jeder Wand sitzt einer, links hustet es, rechts geigt es, obendrüber schreien Kinder und im Flur trampelt einer die Treppen rauf, und bei allen denkt man, die stehen gleich direkt in unserer winzigen Bude – aber wir wollten ja das Pariser Leben kennenlernen, und das ist nun ein Teil davon. Und die Waschmaschine ist Gold wert, es läuft gerade die dritte Ladung – wer konnte ahnen, dass sich Luke gleich am ersten Tag zwei Stunden nach der Landung in eine Schlammpfütze legen würde und ähnliche Abenteuer mehr?

Also, heute Morgen (muss ich es noch sagen: Tischtennisplatten besetzt) ein zweiter Versuch am Eiffelturm. Tatsächlich war die Schlange wesentlich kürzer als am Ostersonntag, und innerhalb von 20min. waren wir durch die Kassen und Sicherheitskontrollen. Luke musste seinen Fußball an der Kontrolle lassen (konnte ihn aber hinterher glücklich wieder in Empfang nehmen). Und was soll ich sagen, wir schafften tatsächlich die 704 Treppen bis in den 2. Stock! Hätte ich vorher nicht gedacht! Doch auf der 1. Etage (nach 350 Stufen) hat man keinen so guten Ausblick, in allen vier Richtungen sind gläserne Restaurants an den Rand der Plattform gebaut, in denen man sitzen und teuer essen und dabei den Ausblick genießen soll. Auf dem 2. Stock hat man dagegen einen tollen Ausblick, allerdings wackelt es auch schon ganz schön. Dadurch, dass die Treppen nicht in einem Treppenhaus sind, kommt es einem nicht so anstrengend vor, weil man sich nicht wie z.B. in einem Leuchtturm nur auf die Treppen konzentriert, sondern auf das, was man drumherum sieht und auf die langsam von oben näher rückende Plattform – allerdings wird einem genau deshalb auch ungleich schwindeliger, besonders zwischen 1. und 2. Stock. Sogar Nick gab zu, etwas Schiss gehabt zu haben und wenn einer gesagt hätte „Ach komm, drehen wir wieder um“, wäre er der erste gewesen, der mitgegangen wäre. Aber Luke quatschte uns voll, bis wir oben angekommen waren. Die Jungs haben durchaus Interesse und Ehrgeiz, so etwas zu schaffen und zu sehen, wie es am Ziel aussieht, aber sobald sie das gesehen haben, wollen sie wieder runter, dann ist das ja „erledigt“. Wir schossen also ein paar Fotos, machten nochmal auf der 1. Etage Zwischenstopp in einem Kino, in dem ein fünfminütiger Film mit einigen tollen Bildern vom Bau des Eiffelturms liefen (hätten ruhig noch mehr sein können) und kletterten dann ganz runter. Und dachten unten: Unglaublich, dass wir da oben gewesen sind!

Auf Lukes Wunsch und damit er nicht rummeckert, gingen wir über einen Frühlingsmarkt (noch mehr Andenken gekauft und Crepes gegessen) wieder am Seine-Ufer entlang zu diesem Ballspiel, das ihnen am Sonntag so gut gefallen hatte, doch heute machte es ihnen seltsamerweise nicht mehr so viel Spaß. Nach kurzer Zeit brachen wir auf über die Pont Alexandre III, auf der man noch tolle Fotos schießen kann, Richtung Champs Elysées. Links runter entdeckten wir den Arc de Triomphe, den wir dann aber auch links liegen ließen, weil uns die Füße schon arg schmerzten und Nick unbedingt noch die Mona Lisa sehen wollte. Nach einem Gewaltmarsch die Elysées runter fanden wir sogar den im Internet angepriesenen Geheimeingang des Louvre im Keller des Einkaufszentrums Caroussell de Louvre. Auch dort standen wir nur 10min. für unsere Tickets an und ließen uns den schnellsten Weg zur Mona Lisa erklären. Eigentlich muss man nur den richtigen Aufgang wählen (Denton), in den Aufzug steigen, in den 1. Stock fahren, rechts rum gehen und da ist sie. Aber wir verliefen uns natürlich bzw. liefen einen unnötigen Riesen-Kreis, weil dort auch Pfeile Richtung Mona Lisa wiesen. Stimmte ja auch, man konnte sie auch andersrum erreichen, aber rechts rum wäre eben wesentlich schneller gewesen. Bei all dem Gemotze der letzten Tage hätten die Jungs heute wirklich mal Grund gehabt zu motzen, das war wirklich etwas viel Programm, aber komischerweise klappte es unterwegs viel besser und sie liefen die weiten Strecken im strammen Marschtempo ohne Probleme mit (hier in der Wohnung ist dagegen wieder Streit wie immer angesagt).

Luke hatte sogar noch ein Auge für die anderen Kunstwerke, riesengroße Ölgemälde von Jesus, u.a. und stellte staunende Fragen, aber ich war wirklich auch so geschafft, dass ich nur noch Nick zu seiner Mona Lisa bringen und dann nach Hause wollte. Eigentlich schade, Lukes Interesse hätte es auch verdient gehabt, dass man ihm angemessen begegnet wäre, aber es war auch im Louvre tierisch voll und überhitzt, die Menschenmassen schoben sich dadurch, man konnte sich nirgends ruhig hinstellen und ein Bild bestaunen und außerdem kenne ich mich ja mit Kunst auch nicht aus (und googelte nur später für ihn die Geschichte des Diebstahls der Mona Lisa). So fanden wir also schlussendlich die Mona-Lisa, warfen einen Blick darauf und machten ein Foto, und dann war Nicks Neugier schon wieder befriedigt. Kurz vor dem Erschöpfungskollaps wollten wir uns nur kurz Cola/Wasser und Salami-Baguettes im Museums-Café kaufen, gerieten aber an eine dermaßen dusselige Verkäuferin, dass wir auch darauf nochmal ewig warten mussten. Und dann mussten wir heute auch noch eine Lektion lernen, die uns 6 Euro gekostet hat: Manchmal braucht man die U-Bahn-Tickets nicht nur beim Eintreten in die Bahnhöfe (die muss man in so einen Schlitz stecken, damit die Schranke aufgeht), sondern auch beim Verlassen. Leider hatten wir unsere Tickets wie immer sofort nach der Fahrt weggeworfen, damit wir die entwerteten nicht mit den noch unentwerteten durcheinanderbringen (manchmal erkennt man es nämlich nicht, ob sie entwertet sind) und mussten zum Verlassen des Bahnhofs neue Tickets benutzen, die dann beim Antritt der nächsten Fahrt auch schon wieder ungültig waren. Sprich: 6 Euro gezahlt für DAS VERLASSEN eines U-Bahnhofs.

Schließlich fuhren wir zurück nach Hause zur Tischtennisplatte, und hurra, sie wurde nach einigen Minuten frei, und wir spielten eine halbe Stunde, aber zu mehr waren wir alle nicht mehr fähig.

Jetzt haben wir Spaghetti Napoli gegessen und machen es uns in der Wohnung gemütlich, bis wir nachher um 21 Uhr wieder das Licht-Schauspiel am Eiffelturm anschauen werden, diesmal gleich von dem Aussichtspunkt aus, den wir gestern Abend entdeckt hatten. Für morgen haben wir einen wesentlich entspannteren Plan…

P.S. Heute strahlende Sonne, 20 Grad!